Neuburg: "Wir wollen, dass es so früh wie möglich Angebote zur Prävention häuslicher Gewalt gibt und dass junge Menschen so früh wie möglich entsprechende Warnsignale und Handlungsmuster erkennen." Mit diesen Worten begründet Rektorin Anne Graf, weshalb die Mittelschule Neuburg ab diesem Schuljahr das Programm "Präventionsangebote an Schulen im Bereich häusliche Gewalt / Gewalt in den ersten Teenagerbeziehungen" (PräGe) des Ingolstädter Caritas-Frauenhauses nutzt.
Schulsozialarbeiter Markus Bach (Caritas Neuburg) stellte das besondere Angebot für Schulen vor und konnte in der Schulleitung eine große Befürworterin für das wichtige Thema finden. 100 Schülerinnen und Schüler der siebten Jahrgangsstufe nahmen zum Beginn des Jahres an der Maßnahme teil.

(Foto: Markus Bach)
Die erfahrenen Pädagoginnen Zaida Talens (Diplom-Psychologin) und Miriam Göbbel (Sozialarbeiterin) führen das an vielen Schulen der Region durch.
Sie holen die Jugendlichen mit dem Thema "Gewalt" an ihren eigenen Erfahrungen bei Grenzüberschreitungen in Paarbeziehungen ab, die Gewaltphänomenen vorausgehen.
"Viele Jugendliche sehen es zum Beispiel als normal an, Kontrolle, statt Vertrauen in Beziehungen walten zu lassen: zum Beispiel, indem sie das Handy des Partners oder der Partnerin kontrollieren - oft aus Eifersucht heraus", berichtet Miriam Göbbel. Häufig erwarten männliche Jugendliche von ihrer Partnerin, dass sie keine weiteren männlichen Freundschaften mehr außer Ihnen unterhalten dürfen. "Dies", so Zaida Talens, "sind klare Grenzüberschreitungen".
Im Mittelpunkt der dreistündigen Einheit stehe weiterhin der Gewaltkreislauf, also wie Gewalt entsteht. Weitere Beispiele sind der Austausch über Erwartungen an den Traumpartner oder die Traumpartnerin. Gewaltarten werden diskutiert: von der körperlichen über psychische, ökonomische und sexualisierte bis hin zur digitalen Gewalt. Die Mittelschülerinnen und -schüler machen sehr gut mit. "Meistens kommt wirklich ein Austausch zustande und nur selten verbleiben wir im Vortragsstil", erklärt Miriam Göbbel.
Nahezu alle Mittelschüler zeigten sich dankbar für das Angebot und mit ihnen über das Them in einen Austausch zu kommen. In dem Kurs geht es Miriam Göbbel zufolge vor allem darum, die Problematik zu enttabuisieren und sie als gesellschaftliches - nicht nur privates - Thema aufzuzeigen. Auch könne man den Jugendlichen vermitteln, wohin sie sich bei Gewalterfahrungen wenden können: an Beratungslehrerinnen und -lehrer sowie die Jugendsozialarbeit an der Schule, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter im Jugendzentrum oder Stadtteiltreff, an die Polizei unter dem Notruf 110 oder auch an das Caritas-Frauenhaus Ingolstadt unter 0841/309700 oder der Zufluchtsstätte für Frauen der Diakonie in Neuburg unter 0841/933090.
Die Mitarbeiterinnen machen die Erfahrung, dass sich manche Schüler wirklich öffnen. "Wir sind davon überzeugt, dass wir für die Problematik sensibilisieren. Mädchen und Jungen werden gestärkt, Vorboten von Gewalt zu erkennen, sich vor Gewalt zu schützen und konstruktive Konfliktlösungen zu erarbeiten", so Zaida Talens.
Schulsozialarbeiter Markus Bach begrüßt die Herangehensweise über das Thema Partnerschaften im Teenageralter- greift dies doch die Erfahrungen in der Arbeit mit den Jugendlichen auf. Das bestätigt auch seine Kollegin an der Neuburger Mittelschule, Jugendsozialarbeiterin Lena Weigelt. In Ihrer Beratungstätigkeit taucht ebenfalls das Thema Partnerschaft und Grenzüberschreitung immer wieder auf. Daher freut sie sich über das tolle Angebot der Caritas-Kolleginnen aus Ingolstadt.